
Fotos
Spezifikation
V8 in V 90º
3528 ccm (88,9 x 71,12 mm)
184 PS bei 5200 U/min
304 Nm bei 3000 U/min
Verdichtung: 10,5 : 1
2 Halb-Fallstromvergaser SU HS6
2 hängende Ventile pro Zylinder
Motor
Borg-Warner Getriebeautomat 35
Heckantrieb
Kraftübertragung
Einzelrad-Aufhängung
Quer- und Längslenker
horizontal liegende Schraubenfedern
Vorderachse
De-Dion-Achse mit Längslenkern, Wattgestänge, Panhardstab und Schraubfedern
Zweikreisbremssystem
Hinterachse
Girling-4-Rad Scheibenbremsen
185 HR 14
456 x 168 x 142
263
135 / 131
1298
68
22’290
3’438
Bremsen
Reifen
Länge x Breite x Höhe (in cm)
Radstand in cm
Spur vorn/hinten in cm
Leergewicht in kg
Tankinhalt in Litern
Produzierte Stückzahl (MKI 1969 - 1971)
davon Linkslenker
Historie Rover 3500 V8 MKI P6 1969
Der Rover P6 (P steht für Postwar) entsteht wie aus dem Nichts. Die Firma Rover hatte bis zum Zweiten Weltkrieg vor allem Luxuswagen von hoher Qualität und hohem Prestige gebaut, die sich danach kaum mehr jemand leisten konnte. Da die britische Regierung dringend Devisen benötigte, begann sie Druck auf die Autoindustrie auszuüben, Fahrzeuge zu entwickeln, die sich in die ganze Welt exportieren liessen.
Die Ingenieure des als konservativ und undynamisch geltenden Unternehmens Rover starteten mit einem leeren weissen Blatt und konstruierten alles neu, selbst den Zweilitermotor. Im Oktober 1963 wurde der Rover 2000 präsentiert. Das war ein wirklich grosser Wurf und das Fahrzeug wurde zum ersten «Auto des Jahres» gekürt.
Ein einzigartiges Merkmal des Rover 2000 war das Design der Vorderradaufhängung, bei der ein Umlenkhebel die vertikale Bewegung des Rads auf eine horizontal vorn und hinten montierte Feder übertrug, die an der Rückwand des Motorraums befestigt war. Diese Lösung wurde gewählt, um den Motorraum so breit wie möglich zu machen. Dort wollte man einen Gasturbinenmotor einbauen. Dieser ging aber nicht in Serie. Der Prototyp T4 kann im British Motor Museum besichtigt werden.
Bei Produktionsbeginn erreichte man einen Qualitätsstandard von höchstem Niveau: schwere Türen, festes Leder, Chrom und Edelstahl, geschmackvoll angewandt. Dann fand die Rover-Firmenleitung in den USA den kompakten, technisch ehrgeizigen Leichmetall-V8, mit dem der Wagen – als Rover 3500 - zum Oberklassen-Gleiter wurde, dessen Leistung gegenüber dem Rover 2000 gleich einmal um 50 Prozent stieg. Die Kraftübertragung erfolgte nun über eine Borg-Warner-Dreigang-Wandlerautomatik. Eine Reiselimousine der Extraklasse war entstanden.
Der Rover 3500 wurde in zwei Serien gebaut: die erste von 1968 – 1971, die zweite von 1971 – 1977. Letztere verfügt über Retuschen der Karosserie und Interieur. 1973 erscheint noch der Rover 3500 S (für Shifter) mit Viergang-Schaltgetriebe. – Der P6 ist in der englischen Autoindustrie eigentlich ohne Vorläufer und Nachfolger, auch wenn gelegentlich der Rover SD1 als solcher ausgewiesen wird.
Reinhard Seiffert von Auto Motor und Sport lobte als Vorzüge des Rover 3500 dessen «leisen, durchzugskräftigen Motor, das mühelose Fahren dank Vollautomatik und Kraftreserven, den sehr guten Fahrkomfort, die sicheren Fahreigenschaften und die hochwertige Innenausstattung. … Der Gesamteindruck ist der eines durch und durch kultivierten, ausgereiften Automobils mit hoher Leistung, guter Fahrsicherheit und hervorragendem Fahrkomfort. Rover wird mit diesem Wagen seinen Ruf, Autos von ungewöhnlicher Qualität zu bauen, weiter festigen können.»
Der P6 erscheint wie ein Form gewordenes britisches Understatement. Der Slogan der Werbeabteilung der Firma lautete: «Outstanding. Ein Wagen, der nicht jeder fährt, weil nicht jeder seinen Wert beurteilen kann.»
1967 wurde Rover von den Eignern der Triumph-Werke, British Leyland übernommen, einem börsenkotierten Mischkonzern mit Schwerpunkt in der Automobilindustrie mit über 170'000 Beschäftigten. Das Produktportfolio bestand aus viel zu vielen verschiedenen Modellen mit nur geringen Stückzahlen, was eine Rationalisierung der Produktion stark erschwerte. Zudem verfügte man zu Spitzenzeiten über 40 Produktionsstätten über das ganze Land verteilt. 1975 verstaatliche die Regierung den Konzern, um einen unkontrollierten Zusammenbruch zu verhindern.
In den Siebzigerjahren änderte sich unter dem Management von British Leyland und infolge von Arbeitnehmerkonflikten die Qualitätsorientierung auf das Übelste. Haarsträubende Geschichten machten die Runde. 1974 wurde ein Rover 3500 von «Drive», dem Magazin der British Automobile Association, zum schlimmsten Auto England gekürt. Das beschädigte den Ruf der Marke nachhaltig. Heute ist der P6 völlig unterbewertet. Der Wagen ist hochgradig individuell, technisch anspruchsvoll, aber gleichzeitig alltagstauglich. Vom MK1 wurden gerade einmal 3438 als Linkslenker produziert. Diese Variante darf also als Rarität gewertet werden, zumal die Überlebensquote nicht sehr hoch ist. Schade, dass sich Investitionen bei der verhaltenen Preisentwicklung kaum lohnen.
Das vorliegende, sauber gepflegte Fahrzeug stammte bis 2024 nachweislich aus erster Familienhand und wurde vor einigen Jahren aufwändig restauriert. Dabei wurde u.a. eine Chromstahlauspuffanlage eingebaut und der Motor vollständig revidiert.